Worauf es in Extremsituationen ankommt!

Der Unfall der Costa Concordia zeigt wieder, dass Jeder von uns von einer Sekunde auf die Andere in eine Extremsituation in der es um Leben und Tod geht  geraten kann. Und dazu muss man nicht auf eine Kreuzfahrt gehen.

Doch worauf kommt es an? Gibt es allgemein gültige Survival Regeln, die die Wahrscheinlichkeit eine Extremsituation zu überleben erhöhen?
Beginnen wir bei der Suche auf Antworten auf diese Fragen bei Ben Sherwood – einem US-amerikanischen Autor, dessen Buch „Wer überlebt: Warum manche Menschen in Grenzsituationen überleben, andere nicht“ sehr interessante Survival Tips und Tricks offen legt.

Sherwood analysierte Menschen in Extremsituationen wie Flugzeugabstürze, Überleben im Eis, Bränden und anderen Katastrophen.
Dabei ergeben sich kurz gefasst folgende Erfolgsfaktoren:

  • Gefahren schon im Vorfeld analysieren
  • Im Ernstfall Panik vermeiden und nicht in einen Schockzustand bleiben
  • Überlegen, rasch Handeln und nicht verharren

Nun kann man diese Erfolgsfaktoren als Binsenweisheiten abtun, aber es ist einfach so.
Werfen wir einen genaueren Blick auf diese Faktoren:

Gefahren schon im Vorfeld analysieren

Wer sich im Vorfeld auf Gefahren einstellt und vielleicht sogar vorbereitet hat im Ernstfall bessere Überlebenschancen.
Ein Beispiel: Wer ein Einkaufszentrum betritt und immer wachsam die Fluchttüren beachtet kann – das sagt die Logik – im Fall des Falles schneller reagieren.
Selbst Kleinigkeiten wie sich zu merken, wo der nächste Feuerlöscher im Büro steht könnte sich bei einem Brand als wirksame Vorbereitung erweisen.
Und um noch ein letztes Beispiel – Wäre es nicht sinnvoll beim Einchecken in ein Hotelzimmer ( oder eine Kabine eines Kreuzfahrtschiffes ) die nächste gelegenen Fluchtwege zu begutachten?

Und Ausreden gibt es keine, denn die Fluchtwege werden entweder im Hotelzimmer oder in den Gängen präsentiert.
Wenn das wirklich nicht der Fall sein, würde ich die Hotelleitung darauf ansprechen.

Wer jetzt meint, das ist Alles viel zu aufwändig – Ja, mag sein, aber im Ernstfall macht Vorbereitung den Unterschied!

Im Ernstfall Panik vermeiden und nicht in einen Schockzustand bleiben

Schock – wie dieser Zustand landläufig genannt wird – ist eine häufige Reaktion auf Extremsituationen. Die Mediziner nennen dies akute Belastungsreaktion. Interessant ist die Definition:

Die Akute Belastungsreaktion ist die Folge einer extremen psychischen Belastung, für die der Betroffene keine geeignete Bewältigungsstrategie besitzt. (Quelle: Wikipedia.de)

Ach so – Eine Belastung für die der Betroffene keine Bewältigungsstrategie besitzt. Zu gut Deutsch auf die der Betroffene nicht vorbereitet ist. Was uns wieder zu Punkt 1 führt.
Aber gut, nicht immer kann man sich mental oder praktisch vorbereiten. Doch die Erfahrung zeigt, dass zu langes Zögern durch Panik oder Schock den Unterschied zwischen Überleben und Sterben machen kann.

Ein Beispiel, das ich selbst so erlebt habe: Meine Frau und ich sitzen im voll gestopften Kinosaal. ( Natürlich habe ich einen Platz in der Nähe des Notausganges gebucht ). Mitten im Film geht der Feueralarm los. Das laute Gekreische des Alarms hat sogar den sehr lauten Ton des Filmes übertönt.
Ich packe meine Frau am Arm und verlasse den Saal nach 5 Sekunden Alarm. Was glaubt Ihr haben die anderen Zuschauer gemacht?
Nichts – rein gar Nichts. Niemand außer uns hat den Kinosaal verlassen obwohl der Alarmton satte 4 Minuten angedauert hatte.
Gott sei Dank brannte es nicht wirklich, aber was wäre wenn doch? Wer hätte mit größerer Wahrscheinlichkeit überlebt?

Diese wahre Geschichte führt uns zum nächsten Faktor…

Überlegen, rasch Handeln und nicht verharren

Es ist überlebenswichtig rasche Entscheidungen zu treffen und zu handeln. Wenn ein Brand ausbricht, dann musst Du überlegen wo ein guter Fluchtweg ist – dann rasch die Entscheidung zu flüchten, denn Verharren kann fatale Folgen haben!
Ich denke dem gibt es Nichts hinzu zufügen. Ist ja logisch – eigentlich. Leider in der Praxis schwerer als man denkt.

Ausnahme von dieser Regel – wenn Du Dich verirrt hast. Dann vergiss die Worte „rasch“, „schnell“ und „dringend“. Setz Dich hin und denke ausgiebig über Deine Lage nach. Aber das ist auch ein anderes Szenario.

Überlebensfaktor Glück?

Ja, natürlich ist Glück der Überlebensfaktor, auch wenn man das Glück ein wenig zu seinen eignen Gunsten leiten kann – Stichwort Vorbereitung.
Aber es hilft natürlich die bessere mentale und praktische Vorbereitung Nichts, wenn man beispielsweisenvon einem Erdbeben im Schlaf überrascht wird und das Haus über Einem zusammenbricht.
Oder das Beispiel der grossen Gasexplosion in Wilhelmsburg in Niederösterreich 1999, bei der durch eine defekte Gasleitung ein Stockhaus in die Luft geflogen ist. Nur ein Mädchen überlebte durch Zufall.
Auch wenn wir es nicht wahr haben wollen, es spielt auch Schicksal, Glück, Vorsehung oder wie auch immer man dazu sagen möchte mit.
Wenn die Zeit gekommen ist, dann führt kein Weg daran vorbei – Punkt.

Schliessen wir das Thema und die Antwort auf nach den Verhaltensregeln oder Überlebensfaktoren mit einem Zitat von Henry Ford:

Es gibt mehr Leute, die kapitulieren, als solche, die scheitern.

About the author

Reini Rossmann

Hauptberuflicher Survival und Bushcraft Trainer, Leiter von Pflanzenseminaren, Vortragender und Autor