Vorratshaltung – Teil der Menschheitsgeschichte

Vorratshaltung ist definitiv aus der Mode gekommen. Schliesslich gibt es in der heutigen modernen Welt mit 24 Stunden geöffneten Läden auch keinen Grund dafür. Produkte werden Just-In-Time produziert und mittels ausgefeilten Logistikketten rasch geliefert.

Warum also einen Vorrat anlegen! Doch wenn man einen Blick auf die Menschheitsgeschichte wirft erkennt man schnell, dass Lager- und Vorratshaltung seit Jahrtausenden ein wichtiger bzw. unerlässlicher Bestandteil zum Überleben war.
Bereits in der Jungsteinzeit wurden Vorräte angelegt.
Und zwar war dies durch die Besiedlung der nördlichen Gebiete nach dem Rückzug des Eisschildes der letzten Eiszeit nötig. Denn in den gemäßigten Klimazonen gibt es einen Winter ohne die Möglichkeit ausreichend Nahrung zu Jagen oder zu Sammeln.
Als Einwand gegen die Vorratshaltung indigener Völker werden zum Beispiel die Hazabe oder Hazda gebracht. Dieses Jäger-und-Sammler Volk lebt in der Serengeti Afrikas und legt tatsächlich keine Vorräte an. Doch haben bzw. hatten die Hazabe immer rund ums das Jahr verteilt Möglichkeiten frische Nahrung zu finden. Seien es Früchte, Wurzeln oder Jagdwild.

Doch unsere moderne Lebensweise ist mit den vergangenen und heutigen Jägerkulturen nicht vergleichbar.
Ein Vergleich ist schon eher mit den Sesshaft werdenden Menschen möglich, wenn auch nur in beschränktem Ausmaß.
Der Übergang von Jägern auf Viehzüchter ist bereits eine Art der Vorratshaltung. Das Vieh wird domestiziert und kann geschlachtet werden sobald Nahrung benötigt wird. So war der Mensch nicht mehr vom Jagdglück abhängig.
Und auch der Bauer erwirtschaftet Nahrung, die für das ganze nächste Jahr reichen muss.

Vorrat hat also einzig den Zweck Zeiträume in denen keine Vorsorgung möglich ist zu überbrücken.
Wenn wir nun den Bogen wieder zurück in unsere moderne Welt spannen erkennen wir im Moment keinen Grund Vorsorge zu treffen, denn es gibt stets Versorgung mit den elementarsten Dingen wie Nahrung, Wasser und Medizin.
Doch das ist ein Trugschluss. Würden wir Menschen, die vor 100 Jahren lebten zeigen wie wenig wir auf Vorräte achten, sie würden uns bestenfalls für einfältig erklären.
Es gibt immer Ereignisse, die man dann Katastrophen nennt, die zu Engpässen oder gar dem Ausfall der Versorgung führen.
Als Ausrede wird dann die geringe Wahrscheinlichkeit einer Katastrophe genannt. Jedoch ist das Ganze keine Frage von Wahrscheinlichkeiten sondern eine Frage der Zeit. Es ist nur eine Frage der Zeit bis die nächste Katastrophe eintritt.
Mit einer sinnvollen Vorratshaltung erhöht sich die Chance eine Katastrophe zu überleben deutlich.

About the author

Reini Rossmann

Hauptberuflicher Survival und Bushcraft Trainer, Leiter von Pflanzenseminaren, Vortragender und Autor